05. Jan 2026
Kirchort St. Georg Großenlüder organisiert Traktorrundfahrt für Sternsinger
GROSSENLÜDER Kinder sammeln für Kinder – das ist bereits seit 1959 der Grundsatz der Sternsingeraktion der katholischen Kirche. Auf diese aufmerksam zu machen, ist eines der Ziele einer Oldtimer-Traktorfahrt, die die Verantwortlichen des Kirchenteams St. Georg Großenlüder für Freitag, 9. Januar, geplant haben.
„Schon seit längerer Zeit suchen wir nach neuen Zugängen – nicht nur zu althergebrachten Traditionen wie dem Sternsingen, sondern auch zu Gottesdiensten. Die geplante Traktorrundfahrt ist ein solcher Versuch“, erläutert Pfarrer Joachim Hartel (56) im Gespräch mit unserer Zeitung. Hartel ist seit 2018 für die Pfarrei in Großenlüder zuständig und seit Januar 2024 Leitender Pfarrer der Pfarrei Heilig Kreuz im Fuldaer Land, die 14 Kirchorte im Westen des Landkreises umfasst. Mitverantwortlich für die Organisation der Sternsingeraktion im Kirchort ist Johanna Bien (21), Messdiener-Gruppenleiterin. „Mit der Oldtimerfahrt wollen wir auf das Projekt in Bangladesch aufmerksam machen, für das wir sammeln, und den Mitmenschen im Ort zeigen, dass wir wieder unterwegs sind“, erklärt Bien. Die Fahrt soll den Sternsingerinnen und Sternsingern aber auch einen Anreiz geben, sich für die Aktion zu engagieren. „Es ist wichtig, dass die Kinder sehen, dass sie unmittelbar helfen und dass das Geld, das sie sammeln, aus ihrer Hand in die der Menschen geht“, ergänzt Pfarrer Hartel. Dafür zeigten die Organisatorinnen und Organisatoren den Kindern einen Film des Moderators Willi Weitzel – bekannt aus der Kindersendung „Willi will’s wissen“ –, in dem das Projekt der „Abdur Rashid Khan Thakur Foundation“ vorgestellt wird.
Was die Sternsingeraktion in Großenlüder besonders macht, ist, dass die Gruppen nicht gezielt zu angemeldeten Haushalten gehen, sondern jedes Haus im Ort aufsuchen. „Natürlich gibt es auch Mitbürger, die nicht wollen, dass die Sternsinger bei ihnen vorbeikommen. Wer das nicht möchte, kann sich jederzeit bei unserer Pfarrei melden“, berichtet Hartel. Das komme jedoch nur selten vor. Mit der Traktorfahrt soll neben der Aufmerksamkeit auch den Kindern gezeigt werden, welch besonderen Dienst sie tun. „Natürlich kann eine Aktion wie diese Fahrt die Berührungsängste abbauen. In der langen Zeit, in der ich schon als Sternsingerin unterwegs bin, habe ich bereits tolle Erlebnisse gehabt – von Anwohnern, die einen in ihr Haus bitten, um ihnen das Weihnachtskrippchen zu zeigen oder einen wärmenden Kakao anzubieten, bis hin zu Mitbürgern, die einen ansprechen und fragen: ‚Wann kommt ihr denn zu uns? Wir wollen noch schnell einkaufen gehen und euch auf keinen Fall verpassen‘“, erinnert sich Bien. Außerdem könnten die Kinder bei der Rundfahrt schon einmal ihren Segensspruch üben.
Die Traktorfahrt startet an der Pfarrkirche, von der aus drei Gespanne in drei Gebiete des Kirchorts aufbrechen – am Samstag werden es dann zwölf und am Sonntag acht Fußgruppen sein. Dabei sollen sich vor allem die Sternsingerinnen und Sternsinger selbst besser kennenlernen, da sie sich nicht mehr ausschließlich aus den Reihen der Messdienerinnen und Messdiener zusammensetzt. „Als ich damals nach der Erstkommunion als Messdienerin angefan- gen habe, waren wir noch an die 100 Ministrantinnen und Ministranten. Das ist deutlich weniger geworden“, erläutert Bien. Der Rückgang in dieser Gruppe und die sinkenden Anmeldezahlen seien das Ergebnis einer Entwicklung, in der „immer weniger junge Menschen bereit sind, sich langfristigen Engagements zu widmen“, ergänzt Hartel. Vor allem die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder zu motivieren, werde immer schwieriger. Bislang kommt die Traktorfahrt sehr gut an. „Wir haben dieses Jahr rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, von denen alle neben der Traktorfahrt auch an einem der beiden Aktionstage teil- nehmen“, berichtet Bien.